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Studie: Partydroge als Mittel gegen Alkoholsucht?

Britische Forscher untersuchten, ob Ketamin als effektive Behandlung bei einer Alkoholabhängigkeit eingesetzt werden kann.

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Kann Ketamin bei Alkoholsucht helfen?
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Ketamin ist ein Narkose- und Schmerzmittel, das häufig in der Tiermedizin Anwendung findet. Es zeichnet sich durch seine sedierende und schmerzstillende Eigenschaft aus. In der Partyszene wird es oft als aufputschendes Mittel missbraucht, um die Nächte durchzumachen und einen gewissen "Rausch" zu erleben. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Partydroge dabei behilflich sein könnte Alkoholkranke zu behandeln.

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Ketamin-Infusion als Behandlung

Britische Wissenschafter des University College London testeten die Wirkung von Ketamin an 90 Frauen und Männern. Die Probanden gaben an, dass sie zwar unter keiner Alkoholabhängigkeit litten, ihr vermehrter Alkoholkonsum jedoch kritische Ausmaße annehmen kann.

  • Die Männer nahmen wöchentlich mehr als zehn Liter alkoholische Getränke zu sich (vorzugsweise Bier). Die weiblichen Teilnehmer konsumierten wöchentlich siebeneinhalb Liter.
  • Die Forscher zeigten den Probanden Bilder von alkoholischen Getränken, um ihren "Appetit" auf den Fusel zu wecken. Die Teilnehmer erinnerten sich daran, wie sie z.B. Bier konsumiert hatten und sich dabei gut fühlten. Das verstärkte ihr Verlangen danach, das gezeigte Getränk zu konsumieren.
  • Im Anschluss erhielten die Engländer jedoch keinen Alkohol, sondern eine Infusion mit Ketamin. In den nächsten zehn Tagen berichteten die Probanden davon, dass sie ein vermindertes Verlangen nach dem Alk hatten oder es beim Konsum weniger genossen. Dieser Effekt hielt bis zu neun Monate nach der Infusion an.

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Hohe Gefahr der Abhängigkeit

Wenn wir Alkohol trinken oder Drogen konsumieren wird das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Das Rauschgefühl setzt sich als positive Erinnerung in uns fest. Es entsteht also der Wunsch, das Getränk erneut zu konsumieren, um den Effekt nochmal zu erleben. Diese Prozedur wird auch Rekonsolidierung genannt. Hier setzt das Ketamin ein, welches das Abspeichern dieser Erinnerung und somit das Suchtverhalten verhindert.

Jene Gedächtnismechanismen, die bei der Sucht eine zentrale Rolle spielen, konnten allerdings durch eine einmalige Gabe von Ketamin langfristig beeinflusst werden. Dies ist im Vergleich zu anderen pharmakologischen Behandlungsmethoden – beispielsweise der täglichen Gabe anderer Medikamente mit teils erheblichen Nebenwirkungen über einen Zeitraum von Monaten – revolutionär", erklärt Hirnforscher Ben Becker vom Clinical Hospital of the Chengdu Brain Science Institute, der nicht an der Studie beteiligt war.

Das klingt zwar sehr praktisch, aber die starken Nebenwirkungen von Ketamin wie

  • Appetitlosigkeit,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen
  • und ein hohes Abhängigkeitsrisiko sind problematisch.

Bei einer mehrfachen hochdosierten Anwendung könnte sich das Ketamin negativ auf die Gedächtnisleistung auswirken und sogar zu Depressionen führen. Weitere Studien dazu stehen aus.

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