Psychische Gesundheit

Weltschmerz: Woher kommt das Leid über das Leben?

Wir fühlen Weltschmerz, wenn sich alles gegen unsere Wünsche entwickelt und wir nur noch das Schlechte in der Welt erkennen können.

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Warum fühlen wir Weltschmerz?
AleksandarNakic / iStock

Manchmal überrollt er uns wie ein großer Felsbrocken: Der Weltschmerz. Wer sich gerade in seinen Armen wiegt, hat das Gefühl, dass alles, woran er geglaubt hat, den Bach hinunter geht. Werte, moralische Grundsätze und der Glaube an das Gute geraten ins Wanken, wir fühlen uns dem Leid auf dieser Erde hilflos ausgeliefert.

Die Auslöser für Weltschmerz sind für jeden Menschen andere. Die niederschmetternde Mutlosigkeit tritt besonders oft bei bedeutsamen Entscheidungen ein, die das ganze Leben womöglich verändern könnten. Nach einer Wahl zum Beispiel: Donald Trump's Sieg in den USA war für viele US-Bürger niederschmetternd, ebenso wie der kürzlich erfolgte Rechtsruck in Deutschland oder in Österreich. Während sich manche durch die politische Umkrempelung in ihrer Meinung bestätigt und sicher fühlen, bedeutet es für andere genau das Gegenteil. Lesen Sie hier, wie Sie aus Phasen des Weltschmerzes wieder herausfinden.

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Persönliche Betroffenheit

Auch wenn uns welt- oder landespolitische Entscheidungen oft nicht unmittelbar und direkt betreffen, bedeutet es manchmal einen regelrechten Schlag in die Magengrube, wenn genau gegen unsere Meinung und unsere Weltanschauung entschieden wurde. Aber warum tut es so weh, wenn die bestehende Ordnung droht, aus den Fugen zu geraten?

  • Unsere Gefühle spiegeln unsere Sichtweisen und Bewertungen der Welt wieder. Dahinter stehen wiederum gewisse Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Ziele.
  • Wir empfinden Weltschmerz, wenn die Entwicklungen unseren persönlichen Vorstellungen widersprechen, was mitunter Furcht erzeugen kann.
  • Wir fühlen uns paralysiert, weil wir an dem gegenwärtigen Zustand nichts ändern können.
  • Das Leid des großen Ganzen trifft uns damit auf persönlicher Ebene.

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Das Glas ist halbleer…?

Ob jemand für Weltschmerz empfänglich ist oder nicht, hängt unter anderem davon ab, wie optimistisch oder pessimistisch man veranlagt ist. Auch hohe Erwartungshaltungen führen eher zu Enttäuschungen, genauso wie ein steter Blick über den eigenen Mikrokosmos hinaus. Wer sich zum Beispiel um die Probleme der dritten Welt, den Krieg in Syrien, die Klimakrise oder das Elend in der Massentierhaltung nicht kümmert, wird vermutlich weniger oft von Gefühlen des Weltschmerzes überwältigt werden.

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First World Problem

Hinzu kommt, dass Weltschmerz eigentlich ein Luxusproblem ist. Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen, haben nämlich keine Zeit für so etwas wie Weltschmerz. Sie sind froh, wenn Sie den Tag geschafft, ihre Lieben beisammen und ein Dach über dem Kopf haben.

Im Deutschen fand das Wort "Weltschmerz" übrigens erstmals in der Literatur des 19. Jahrhunderts Erwähnung. Dort steht das Gefühl aber oft in Kontext mit Genuss am Leid, was im realen Leben nicht oder nur selten der Fall ist. Wer seinen Weltschmerz nach außen trägt, möchte allerdings damit sagen: "Ich gehöre zu den Guten."

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Akzeptanz hilft

Wer häufig unter Weltschmerz leidet, und das nicht mehr möchte, kann versuchen, seine Perspektive ein wenig zu ändern. Probieren Sie, gewisse Dinge als unvermeidbar und als nicht in Ihrer Hand liegend zu sehen. Wer so denkt, kann trotzdem noch Weltverbesserer und guter Mensch sein, aber mit weniger persönlichem Leid.

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  • oOSokarOo sagt:

    Hallo an alle die das lesen wollen. Ich habe gerade so ein Gefühl in mir und mich wundert das es keine Kommentare dazu gibt.

  • Berliner75 sagt:

    Ich habe die Euphorie und den Zukunfts-Optimismus am Tag des Mauerfalls 1989 in Berlin selbst als 14jähriger miterlebt. Damals dachten alle, das von nun an alles nur noch besser werden könnte.
    Und wo stehen wir heute wieder 30 Jahre später? Wirklich alles entwickelt sich in die falsche Richtung. Wenn das kein Grund zum Weltschmerz ist.