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Allergie ohne Pollen: Was ist der Nocebo-Effekt?

Deutsche Wissenschafter entdeckten, dass unser Gehirn Allergiesymptome auslösen kann, obwohl kein Allergen vorhanden ist. Dies ist auch als Nocebo-Effekt bekannt.

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Nocebo-Effekt
Jens Rother / iStock

Eine Studie beweist, dass manche Menschen allergische Symptome zeigen können, obwohl der Auslöser nicht präsent ist. Deutsche Forscher konnten dazu eine erstaunliche Konditionierung des Gehirns auf die Umgebung feststellen. Schlaf spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Wissenschafter nennen dies einen psychosomatischen Nocebo-Effekt.

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Experiment mit Duft & Allergenen

Forscher der Universität Tübingen konnten bei einem Experiment mit 25 Allergikern einen Zusammenhang zwischen Schlaf und allergischen Symptomen erkennen. Das Team des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie wies dabei einen Lernmechanismus nach, der es ermöglicht, eine allergische Reaktion ohne direkten Kontakt mit Allergenen auszulösen.

  • Bei der Untersuchung wurde den Probanden im ersten Durchlauf ein Nasenspray mit einer bestimmten Duftnote und Allergenen gegeben.
  • Daraufhin wurde eine Gruppe gebeten, für acht Stunden zu schlafen. Die andere Hälfte der Probanden sollte bis zum nächsten Abend wach bleiben.

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Umgebung löst Allergiesymptome aus

Eine Woche später erhielten die Testpersonen das Spray mit dem Duft, aber ohne Allergene. Die Probanden, die wach blieben, zeigten keine Allergiesymptome bei der Einnahme des Sprays. Die Schlafgruppe musste den Untersuchungsraum nur betreten und bekam schon erste Symptome wie eine tropfende Nase.

So konnte nachgewiesen werden, dass die Schlafgruppe einen sogenannten Nocebo-Effekt zeigte: "Wie bei klassischen Lernprozessen aus anderen Zusammenhängen spielte die Schlafphase in unserer Studie eine entscheidende Rolle. Nur so verknüpfte das Gehirn eine bestimmte Umgebung fest mit einer allergischen Reaktion", so Studienleiter Jan Born.

Schlaf darf nicht unterschätzt werden

Die Studienergebnisse zeigen erstmals, dass ein bestimmter Ort eine allergische Reaktion auslösen kann. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass an der Konditionierung durch die Umwelt, die Hirnstruktur des Hippocampus beteiligt ist. Dieser arbeitet schlafabhängig und ist auch bei vielen anderen Gedächtnisprozessen involviert.

Die Tatsache, dass dieser Lernmechanismus bzw. der Nocebo-Effekt entschlüsselt wurde, liefert für die Allergie- und die Schlafforschung wichtige Hinweise für zukünftige Studien. Die Forscher raten Betroffenen jedoch davon ab, weniger zu schlafen, um allergische Reaktionen vorzubeugen. Immerhin unterstützt der Schlaf unser Immunsystem und sorgt dafür, dass sich unser Körper regeneriert.

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