Ernährung

Soll man Multivitamine einnehmen?

Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen Multivitaminpräparate in keinem guten Licht dastehen. Ein lebensverlängernder Effekt kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

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Soll man Multivitamine einnehmen?
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In Apotheken und Drogerien gibt es Tabletten zu kaufen, die alle wichtigen Vitamine oder Antioxidantien enthalten sollen, die der Mensch täglich braucht. Dazu gehören zum Beispiel Vitamin A, Betacarotin, Vitamin C und E. Viele versprechen sich davon eine positive Wirkung auf ihre Gesundheit. Untersuchungen zeigen, dass die pharmakologischen Zusammenstellungen das Risiko für Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht verringern. Ganz im Gegenteil.

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Geld scheffeln mit der Angst

Das Streben nach einem möglichst gesunden und langen Leben ohne Einschränkung durch Krankheit war nie größer als heute. Die richtige Ernährung und Versorgung mit allen relevanten Nährstoffen hat dabei einen hohen Stellenwert. Ein Vielzahl an Menschen scheint zu glauben, dass der Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und Co. nicht mit normalen Lebensmitteln gedeckt werden kann. Sie besorgen sich Multivitamintabletten und fühlen sich so auf der sicheren Seite. Tatsächlich schluckt jeder zehnte Österreicher die vermeintlichen Gesunderhalter.

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Ohne Mangel keine Wirkung

Studien ergaben jedoch eindeutig, dass gesunde Personen ohne einen nachgewiesenen Nährstoffmangel nicht von den künstlichen Vitaminen profitieren. Weder Krebs, Herzinfarkt noch Schlaganfall können durch die tägliche Pille verhindert werden. Selbst jene, die solche Produkte jahrelang einnehmen, leben deswegen nicht länger.

Diese Resultate der Forschung gelten für Mischungen aus bis zu 14 unterschiedlichen Vitaminen sowie 17 Mineralstoffen und für Einzelpräparate mit Vitamin A, E, C, Betacarotin oder Selen.

Manche Vitamine und Antioxidantien haben sogar eine gegenteilige Wirkung. Sie machen bei Überdosierung krank. So erhöht Betacarotin bei Rauchern zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken.

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Vitamin D könnte wirken

Das einzige Vitamin, hinter dessen Zufuhr über Nahrungsergänzung ein günstiger Effekt vermutet wird, ist Vitamin D3. Forschungen legen nahe, dass vor allem Frauen ab dem 70. Lebensjahr durch eine Einnahme eine etwas höhere Lebenserwartung haben. Der Körper bildet Vitamin D durch Sonneneinstrahlung selbst, ein wenig steckt auch in manchen Lebensmitteln. Vor allem in den Wintermonaten kann die Bedarfsdeckung jedoch schwierig sein, Mängel sind dann weit verbreitet.

Zusammengefasst reicht bei Gesunden eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, komplexen Kohlenhydraten, fettarmen Eiweißquellen und hochwertigen Fetten aus, um den Bedarf an sämtlichen Vitaminen zu decken. Einzig Veganer müssen auf eine Supplementierung mit Vitamin B12 achten.

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Quelle: Verein für Konsumenteninformation (VKI) (Hrsg.): 100 Ernährungs-Mythen. Wien, 2016

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