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#UNHATEWOMEN – Kampagne gegen Frauengewalt im deutschen Hip-Hop

Frauen werden von Rappern gerne als "Schlampen" oder "Huren" bezeichnet. Doch dies ist nicht das einzige Problem: Die Initiative #UNHATEWOMEN zeigt, wie frauenfeindlich deutsche Raptexte sind.

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#UNHATEWOMEN
Screenshot: unhate-women.com

Die Initiative #UNHATEWOMEN setzt sich gegen frauenverachtende Hate Speech und für mehr Respekt gegenüber Frauen ein. Auch Sprache kann Gewalt sein und diese wird besonders in deutschen Raptexten gefeiert – auch von Frauen.

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Frauengewalt in deutschen Raptexten

Frauen werden von Rappern gerne als "Huren", "Schlampen" oder "Fotzen" betitelt. Oft rappen sie in ihren Liedern, dass Frauen nur zur Befriedigung des Mannes dienen. "Es ist Kampfgeschrei, was nachts aus unserm Schlafzimmer dringt, weil dank mir in deinem Gleitgel ein paar Glassplitter sind", rappt der Musiker Finch Asozial in seinem Song "Fick mich Finch". Der Song wurde über drei Millionen Mal angehört, unter anderem sieht man im Song-Video, wie der Rapper einer jungen Frau das blaue Auge überschminkt.

Während der Text von seinen Fans verharmlost wird, signalisiert das Lied vor allem eins: Gewalt an Frauen ist salonfähig. Zitate wie "Die Bitches von heute wollen Jungfrau bleiben. Zwei Optionen – Arsch oder Mund auf, Kleines", werden von berühmten Rappern wie Farid Bang und Kollegah an Jugendliche vermittelt. Sie werden für ihre coolen Songs gefeiert, doch zu welchem Preis?

Die Frauenrechtsorganisation  Terre des Femmes filmte Frauen, die gewaltvolle und frauenverachtende Raptexte lesen: 

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Die Reaktionen auf Instagram überschlagen sich

Der Rapper Fler kommt ebenfalls in dem #UNHATEWOMEN-Video vor: "Ich will keine Frauen, ich will Hoes. Sie müssen blasen wie Pros" rappt er in seinem Lied "Fame". Eine Instagram-Nutzerin teilte das Video der Initiative und schrieb dazu in ihrer Story: "Solche Texte zu schreiben, solche Gedanken zu feiern, macht euch ganz einfach zu Mittätern. Es ist weder lustig, noch cool, noch sollte es unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit als Ok gelten. Es ist gefährlich und beängstigend. Es ist 2020. Hört einfach auf damit. Zeigt mal ein bisschen Respekt und schreibt über was Neues, was der Zeit entspricht. Danke und Tschüss." Dazu verlinkte sie Fler und andere Rapper in dem Beitrag. Das gefiel Patrick Losensky, wie der Musiker mit gebürtigen Namen heißt, überhaupt nicht. Er reagierte mit einer erbosten Privatnachricht mit den Worten "ich kann ja mal Täter werden wenn du mir weiter auf die Eier gehst (sic)".

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Fler setzt Kopfgeld auf Kritikerin aus

  • Doch die junge Frau war nicht die einzige, die Drohungen von dem Musiker erhielt. Der Stand-up-Comedian Shahak Shapira sowie drei weitere Instagramer sollen ebenfalls von Fler bedroht worden sein.
  • Der Rapper teilte auf Instagram einen Screenshot von dem Profil seiner Kritikerin und schrieb darunter "Wer die Nutte ran bringt 2000 Euro Berlin-Charlottenburg".
  • Zwar war die Äußerung bestimmt nicht ernst gemeint, doch Shapira wollte das "angesetzte Kopfgeld" gegen die Frau nicht einfach hinnehmen. Der Comedian wollte bei der Polizei Anzeige erstatten, diese wimmelten den Mann zuerst ab. Mittlerweile dürfte es tatsächlich zu Ermittlungen kommen, wie die Zeitung "Die Welt" schreibt.

 

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Ist das noch Kunst?

Laut Standard sind schon in den vergangenen Jahren problematische Texte in deutschen Raps mit "künstlerischer Überhöhung und szenenspezifischer Sprache" verteidigt worden. Hier stellt sich also die Frage: Sind solche Songtexte wirklich noch Kunst?

Egal ob die Rapper die Aussagen in ihren Texten nicht ernst meinen – Fakt ist, dass diese Sprache besonders die jüngeren (aber auch die älteren!) Hörer prägt und ihnen eine falsche Verhaltensweise gegenüber Frauen vermittelt. Vielleicht sollte die gesamte Rapszene darüber nachdenken, ob es wirklich notwendig ist frauenverachtende Texte zu verfassen, um hart und cool zu wirken.

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